1988 entschieden wir uns für ein Projekt in Mariona, einem sozialen Brennpunkt am Rande der Hauptstadt San Salvador, wo ca. 80 000 Menschen wohnen. Die Probleme dort sind die hohe Arbeitslosigkeit, Drogenabhängigkeit, Jugendkriminalität, Verwahrlosung von Kindern und die fehlende Unterstützung alleinerziehender Mütter.

Unsere Zielgruppe sind besonders Frauen und Kinder. Bisher halfen wir beim Aufbau einer Kindertagesstätte (mittlerweile gibt es dort vier weitere) und bei der Gründung einer Frauenkooperative auf der Basis einer Schneiderwerkstatt. Kulturelle Traditionen sollten wieder aufleben, und wir halfen bei der Beschaffung von Musikinstrumenten.

Inzwischen ist Mariona eine Partnerschaft mit der Pfarrei St. Michael eingegangen. Die Gemeinde hat u.a. bei der Flutkatastrophe von 2003 finanzielle Hilfe geleistet.

Im Eine-Welt-Laden werden Produkte aus der Kooperative angeboten. Darüber hinaus begleiten wir das Projekt durch gedanklichen Austausch mit der Kontaktgruppe "Hombres de Maiz" in Mariona. Schon zweimal waren Leute aus unserer Gruppe in Mariona, und vor einigen Jahren haben wir Oti, Gemeindereferentin und unsere Ansprechpartnerin, für drei Wochen nach Siegen eingeladen.


 Kunsthandwerk aus Mariona

 

Religion/Befreiungstheologie

85% der Bevölkerung El Salvadors gehören der katholischen Kirche an. Mehr als andere lateinamerikanische Länder wurde die Kirche El Salvadors durch die Theologie der Befreiung beeinflusst. Es haben sich zahlreiche Basisgemeinden gebildet. In diesen Gemeinden wird die Bibel in Bezug auf die eigene Lebenssituation betrachtet.

Durchgehende Thematik - so auch in Mariona - ist Gottes Wille zur Durchsetzung von Gerechtigkeit. Die Basisgemeinden streben eine gewaltlose Befreiung aus den ungerechten Abhängigkeitsverhältnissen an. Abgelehnt wird dagegen die hierarchische kirchliche Struktur. So besteht die Gemeindeleitung in Mariona aus zwölf Mitgliedern (davon sieben Frauen und der Pfarrer), wichtige Entscheidungen werden nicht vom Priester allein, sondern von der Gemeindeleitung mit Mehrheit getroffen.

Die Basiskirche sah sich im Bürgerkrieg der Verfolgung durch Militär und Todesschwadronen ausgesetzt. Zahlreiche Priester, Schwestern und Laien wurden bedroht und ermordet, auch in der Gemeinde Mariona. Sie mussten sich teilweise über Monate hinweg versteckt halten. Während des Bürgerkrieges verging keine Woche, in der in Mariona kein Mord geschah. Verwandte wagten oft nicht einmal, das Verbrechen bei der Polizei anzuzeigen.

Der Vatikan steht der Befreiungstheologie und auch den Basisgemeinden nach wie vor ablehnend gegenüber.

Viele Basisgemeinden bauen ihre Kirche selbst, so haben auch in Mariona Gemeindemitglieder am Bau der Pfarrkirche San Louis sowie an den kleinen Kirchen der insgesamt 14 Teilgemeinden mitgewirkt.


 

 

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